Tierschutzverein Kempten (Allgäu) e.V.

Mitze

Die Mitze wohnt nun seit 29. April mit mir in einer "ältere Damen"-WG. Sie frisst für 2 Katzen, jeden Tag zwischen 400 und 500 g Katzenfutter. Tütchen hab ich gleich wieder abgeschafft. In einem recht rumpeligen Verdauungsakt komprimiert sie das Futter in einen einzigen Stuhlgang täglich und verklumpt einen beachtlichen Teil des Streus zu nassen faustgroßen totachlägern, die die Schaufel verbiegen.

Nach anfänglichen Panikanfällen, bei denen sie immer durch ein mir vorher unbekanntes Loch, wie ein Wurfgeschoß unter dem Herd verschwindet, wird sie langsam mutiger und sucht ihre sichere Zuflucht immer seltener und langsamer auf. Inzwischen genießt sie die Ruhe hier und fordert immer dreister ihre Streicheleinheiten ein. Dabei schnurrt, sabbert und gurrt sie. Ich frage mich, ob sie in einem früheren Leben eine Taube war...

Ob sie wirklich jemals Freigänger war, wage ich zu bezweifeln, denn sie braucht jedesmal Stunden, bis sie sich zu einem vorsichtigen Rundgang auf der Terrasse überwinden kann. Dabei setzt sie kein Pfötchen in die Wiese, versucht aber mit langem Hals Gras zu fressen, was wirklich putzig aussieht. Mit einem Nachbarskater, der ahnungslos über mein Grundstück maschierte, wollte sie keine nähere Bekanntschaft schließen, sondern suchte wieder pfeilschnell ihre Zuflucht unterm Herd auf. So träge die Mietze den Tag verbringt, wundert man sich schon, wie schnell ihre Reaktion bei vermeindlicher Gefahr doch sein kann. Vermeindlich deshalb, weil ein zwitscherndes Vögelchen sie genauso im Ofenloch verschwinden lässt, wie die Türklingel.

Zuviel Aufregung tut ihr nach wie vor nicht gut. Da bekommt sie sofort Durchfall. Erstaunlich, dass ein so kleines zierliches Tier  so stinken kann. Aber sagen darf man ihr das nicht. Sie zieht dann sofort den schwanz ein, die Ohren stehen waagerecht und sie verschwindet... unterm Ofenloch. Mir scheint, sie hat Angst vor schlägen oder ähnlichem. Deshalb sag ich nichts mehr, warte, bis sie ihr Klo ruhigen Schrittes verlassen hat und reinige es kommentarlos. Mir scheint, wenn ich nicht schnell genug bin, dass sie mich sogar auffordert, endlich den Gestank zu entfernen, also eile ich, wenn das Geschnatter beginnt, zum Katzenklo.

Alles in allem haben wir uns gut eingespielt. Das schüchterne und verängstigte Kätzchen hat mich voll im Griff und belohnt mich dafür mit ihrer Anwesenheit.